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Ersttrimesterscreening - Wieso, weshalb, warum?

"Wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt, bleibt dumm" heißt es in der Sesamstraße. Während einer Schwangerschaft hat man natürlich auch viele Fragen, hier muss es allerdings eher heißen "Wieso, weshalb und wann? Wer nicht fragt, dem läuft die Zeit davon". Das Thema Ersttrimesterscreening ist ein solches Thema, für das man nicht so viel Zeit hat. Unsere Antworten nebst Erfahrungen zu diesem sehr emotionalen Thema findet ihr hier.

Warum?

Im Rahmen eines sogenannten Ersttrimesterscreenings wird primär im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung eine Nackentransparenzmessung durchgeführt. Außerdem kann darüber hinaus das Risiko bzw. die Wahrscheinlichkeit für eine Chromosomenstörung berechnet werden. Soweit zum medizinischen Teil.

Aber hinter einem Ersttrimesterscreening steckt viel mehr, ich möchte es mal den emotionalen Teil nennen: Zweifel, Sorgen, Hoffnung, Vertrauen, der Wunsch nach Sicherheit, vielleicht sogar Erfahrungsberichte aus dem Kreise von Familie und Freunden (dazu kommen wir auch noch).

Ihr solltet euch also auch fragen, ob ihr (medizinisch und emotional) einen solchen Test überhaupt braucht. Vielleicht habt ihr ein Bauchgefühl, das sagt, es wird alles gut? Oder ihr habt ein Vertrauen in Gott oder das Schicksal? Vielleicht ist es für euch auch gefühlsmäßig nicht wichtig zu wissen, ob eine Anomalie vorliegt, ihr braucht eine Antwort auf diese Frage nicht. Zumal auch ein "normaler" Gynäkologe natürlich gewisse Anomalien feststellen kann.

Wir haben damals ein solches Ersttrimesterscreening gemacht und zwar insbesondere, um vorbereitet zu sein. Wir wussten nicht, ob wir uns zutrauen würden ein geistig oder körperlich behindertes Kind groß zu ziehen, weil ein solches Kind noch mal andere Bedürfnisse hat als ein rundum gesundes Kind. Wir wollten deshalb "so früh wie möglich" Bescheid wissen, damit wir uns im Zweifel schon im Laufe der Schwangerschaft vorbereiten bzw. Vorkehrungen treffen können.

Wann?

Ein solches Screening macht man üblicherweise zwischen der 11. und der 14. Schwangerschaftswoche. Uns hatte man damals empfohlen, es erst in der 13. Woche zu machen, da in diesem Alter schon eine Woche einen großen Unterschied machen kann, was den Entwicklungsstand angeht. Und tatsächlich: Auf mein nervöses Drängen hin, hatten wir den ersten Termin schon in der 12. Woche, der kleine Prinz wollte aber partout nicht so liegen, das man die Nackentransparenztmessung hätte durchführen können. Mehrere Spaziergänge und sicherlich von außen sehr lustige aussehende Sprünge auf der Stelle, die ihn dazu bewegen sollten sich seinerseits zu bewegen (vergeblich!), später, haben wir einen neuen Termin gemacht. Der zweite Termin hat dann auch nur eine halbe Stunde gedauert (im Verhältnis zu dem ersten Termin von zweieinhalb Stunden ein wahres Kinderspiel ;)). 

Gleich in welcher Woche kostet ein solches Screening circa 200 bis 250 Euro, auch das ist natürlich ein wichtiger Aspekt. Insbesondere da die Kosten nur in Ausnahmefällen von der Krankenkasse übernommen werden. Genaueres (auch zum Ablauf) erklärt einem aber auch ein behandelnder Gynäkologe oder eine betreuende Hebamme.

Muss der Papa/Partner mit?

Der Papa bzw. Partner muss natürlich gar nichts. Genauso wenig wie ihr als Familie ein Screening machen müsst. Insbesondere ist man kein Rabenelternteil, wenn man kein Screening macht (über die vielen Gründe kein Screening zu machen, haben wir ja oben schon gesprochen)!

Solltet ihr euch als Familie allerdings entschieden haben, ein Screening zu machen, würde ich empfehlen, dass ihr als Eltern zusammen hingeht, wenn es sich für euch einrichten lässt. Je nach Verlauf und gegebenenfalls auch Ergebnis möchtet ihr vielleicht zusammen sein und euch gemeinsam freuen oder direkt eventuelle Folgen und Sorgen besprechen können.  Ihr habt euch wahrscheinlich gemeinsam Gedanken gemacht und euch für das Screening entschieden, da ist es doch schön, auch gemeinsam hinzugehen.

Kann man sich vorbereiten?

Wie auch bei jedem Arzttermin kommt man vielleicht schon mit Fragen in die Praxis. Das ist gut so, denn normalerweise hat man in einer auf Perinataldiagnostik spezialisierten Praxis oder Klinik nur einen Termin (wir waren da die Ausnahme, wie gesagt ;)). Habt ihr euch also vorher in das Thema schon eingelesen, bringt alle Fragen mit und guckt, dass ihr sie loswerdet!

Darüber hinaus ist es aber sicherlich auch gut, wenn man schon die Entscheidung pro Ersttrimesterscreening getroffen hat, dass man sich damit auseinander setzt, was die Ergebnisse für einen persönlich und für den Partner bedeuten. Egal, ob das Ergebnis für euch positiv oder negativ ist, es wäre doch schade, wenn die Reaktion eures Partners euch aus der Bahn wirft, weil ihr vorher nicht darüber gesprochen habt. Ein Austausch zwischen euch beiden im Vorfeld hilft euch auf jeden Fall während des Screenings entspannter zu sein und mit dem Ergebnis umgehen zu können.

Aus unserem Umfeld

Eine sehr gute Freundin hat mir vor kurzem erzählt, dass im Rahmen eines Screenings eine Anomalie bei ihrem kleinen Bruder festgestellt wurde, die auf Trisomie 21 hindeutete. Ob die Mutter ein Bauchgefühl hatte, was ihr sagte, dass das nicht stimmt oder ob es schlichtweg ihre Entscheidung, dieses Kind zur Welt zu bringen, nicht beeinflusst hat, weiß ich gar nicht. Ich weiß nur, dass sich die Vermutung als falsch herausgestellt hat und der junge Mann (heute 18 Jahre alt) ohne Trisomie 21 zur Welt kam.

Das ist natürlich nicht immer so und soll auch kein Appell sein, blind zu hoffen, obwohl das Gefühl nicht stimmt. Es ist aber - wie ich finde - eine Geschichte, die Hoffnung gibt und das Herz erfüllt. Die Wahrscheinlichkeitswerte sind eben nur Statistiken.

Fazit

Obwohl wir uns für ein Ersttrimesterscreening entschieden haben (das ist sicherlich auch Typsache, ich bin beispielsweise ein absoluter Planungstyp), würde ich nicht per se sagen, dass ich es empfehle. Es steckt so viel mehr dahinter. Wichtig ist mir aber Eines: Es geht nicht um die Frage "Ist dein Kind dir nicht mal die 250 Euro wert"?, sondern vor allem um ein ganz subjektives Gefühl als werdende Mutter bzw. Eltern. Im Laufe der Elternzeit gibt es immer wieder Situationen, in denen andere Eltern anders entscheiden oder sogar be-/verurteilen, was andere Eltern machen. Da heißt es "stark" sein und auf sein eigenes Bauch-/Herzgefühl und den eigenen Kopf zu hören.

Meine Empfehlung an dieser Stelle ist deshalb kein "Ja" oder "Nein" zum Screening, sondern Folgendes: Überlegt euch erstmal - quasi im stillen Kämmerlein - alleine oder zu zweit, ob ihr das machen und wie ihr mit welchem Ergebnis umgehen wollt und braucht, bevor ihr euch zu viele Erfahrungen und Stimmen einholt. Dann könnte ihr selbstbewusst in die Welt hinaus treten und euch mit eurer eigenen Elternruhe anhören, was andere Menschen zu dem Thema zu sagen haben, ohne dass euch dies hin und her wirft und überfordert (das Thema ist schließlich schwer genug).

 

Zu guter Letzt wünsche ich euch aber, dass eure Kinder glücklich sind (ihr natürlich auch!) und ihr als Familie zusammen haltet und durch Dick und Dünn geht!

 

Liebe Grüße

Jana

 

P.S.: Wir wissen, dass es sich hierbei um ein etwas schwereres und sicherlich auch sehr kontroverses Thema handelt. Wir hoffen, dass wir niemandem mit unseren Erfahrungen auf die Füße treten und wollen sicherlich auch keine Gefühle aufwühlen, die mit diesem Thema eng verbunden sind. Trotzdem freuen wir uns über eure Geschichten (seien sie rosarot und fröhlich oder auch voller Trauer, aus der vielleicht dann Zusammenhalt und Hoffnung gewachsen ist). Falls ihr Fragen an uns habt, könnt ihr die natürlich auch gerne loswerden! :)

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